Teilprojekte

Ziel des Landarzt-Manufaktur-Projektes ist es, die medizinische Versorgung auch in strukturschwachen und von Ärztemangel bedrohten Regionen auf hohem Niveau aufrecht zu erhalten und weiter zu optimieren. Dies soll durch die intensive Vermittlung von Versorgungskonzepten gelingen, die zum einen das Arbeiten im Team mit Delegation von medizinischen Leistungen, zum anderen die Implementierung innovativer ärztlicher Arbeitsgruppen sowie die Schaffung eines zukunftsfähigen Versorgungsnetzwerkes über regionale Grenzen hinaus ermöglicht.

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten wir gemeinsam mit Ihnen an folgenden Teilprojekten.

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Aktuelle Fallbesprechungen

Die Möglichkeit, tagesaktuell Patientenfälle aus der jeweiligen Praxis vorzustellen und im Team mit Ärzten in Weiterbildung, erfahrenen Fachärzten und qualifizierten Mitarbeiterinnen aus den jeweiligen Praxen zu besprechen, erweitert den Behandlungsrahmen der jeweiligen Einzelpraxis außerordentlich. Dieses Vorgehen ist im Rahmen der „Chef- und Oberarztvisite“ im stationären Bereich Routine. Im ambulanten Bereich findet dies nur im Ausnahmefall vereinzelt statt. In der Regel werden Patienten mit unklaren Symptomen in den fachärztlichen Bereich überwiesen (lange Wartezeiten) oder stationär eingewiesen (Kosten). Durch die kontinuierliche Implementierung der gemeinsamen aktuellen Fallbesprechung versorgen den einzelnen Patienten im Projekt nicht mehr nur die Ärzte in der jeweiligen Landarztpraxis, sondern alle Ärzte im Projekt analysieren den jeweiligen Patientenfall und helfen, die Versorgung zu optimieren. Der Lernerfolg für den einzelnen Arzt in Projekt steigert sich dadurch, es wird gleichzeitig das medizinische Versorgungssystem durch vermiedene Über- und Einweisungen entlastet.

2

Qualifizierter Umgang mit uncharakteristischen Symptomen

Gerade im Niedrigprävalenzbereich der hausärztlichen Versorgung wird der Hausarzt vor allem mit Symptomen konfrontiert, seltener mit eindeutig zu klassifizierenden Krankheiten. Hier die abwendbar gefährlichen Verläufe zu erkennen und der weiteren Versorgung zuzuführen, ist eine enorme Herausforderung. Die gemeinsame Erörterung des Vorgehens bei oft uncharakteristischen Symptomen und die weitere Führung des Patienten wird an der Universität nicht gelehrt. Die Ärzte in Weiterbildung brauchen hier die Expertise erfahrener, langjährig tätiger Kollegen und damit die Gelegenheit, im Umgang mit der „Unschärfe“ nicht nur aktuelles Fachwissen, sondern auch die Erfahrung älterer Kollegen zur optimalen Versorgung ihrer Patienten mit einfließen zu lassen.

3

Nüsse-Knacken

In der Hausarztpraxis werden regelmäßig Patienten betreut, die laut Fachgebietsspezialisten „austherapiert“ sind oder deren Symptome keinem spezifischen Fachgebiet zugeordnet werden können. Die Patienten leiden und sind in ihren Aktivitäten des täglichen Lebens nachhaltig eingeschränkt. Eine überörtliche Arbeitsgruppe im Projekt kann diesen Patienten, für die sich keine Fachspezialisten als zuständig erklären, intensiv betreuen. Durch die kontinuierliche Diskussion in dieser Arbeitsgruppe werden über die Grenzen einzelner Fachgebiete hinaus die Symptome und Beschwerden der Patienten analysiert und nach Lösungen gesucht. Gezielt können Fachgebietsspezialisten angesprochen werden, um Teilprobleme der Patienten zu begutachten.

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Journal Club – ganz praktisch

Sechstausend neue Fachpublikationen zu medizinischen Themen erscheinen täglich. Das Gebiet der Allgemeinmedizin mit über 79.000 verschiedenen Kodierungsmöglichkeiten von Diagnosen (ICD-10) hat hier in der Patientenversorgung den fachlich umfangreichsten Anteil. Hier tagesaktuell auf dem neuesten Stand zu sein und zu bleiben, ist für den einzelnen Arzt nahezu unmöglich. Fortbildungen finden oft in weiter entfernten Zentren statt. Abhilfe schafft eine Symbiose aus Qualitätszirkel und klinischem Journal Club ebenso wie gezielte virtuelle Fortbildungen. Dieser macht die Implementierung aktuellen Fachwissens in die tägliche Praxisarbeit möglich. Der sogenannten „Journal Club – ganz praktisch“ wurde von uns entwickelt und evaluiert. Er hat sich im kleinen Rahmen innerhalb unserer Praxis bestens bewährt. Im Projekt „Landarzt-Manufaktur“ soll dieses Format nun überregional implementiert werden.

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Erfolgreiche Versorgungsstrukturen

Viele Hausarztpraxen sind mit der tagtäglichen Versorgung ihrer Patienten vollends (und weiter zunehmend) ausgelastet. Gerade im strukturschwachen Raum mit einer oft überalternden, multimorbiden Gesellschaft und dem Fehlen von mitbetreuenden Kollegen ist es enorm schwierig, sich neue Strukturen vor allem für chronisch Kranke zu überlegen und dann auch noch zu implementieren, die es erlauben, Patienten auf hohem Niveau und fachlich perfekt zu betreuen. Dies betrifft sowohl die Umsetzung von Behandlungspfaden wie im DMP (Asthma, Diabetes, KHK, COPD) oder anderen chronischen Erkrankungen, dies betrifft die Umsetzung von Delegation in der Praxis und es betrifft die eigene Arbeitsorganisation in der Praxis. Fehlende Möglichkeit zur Reflexion, das Fehlen von positiven Rollenmodellen und die oft nur wenig vorhandenen Ressourcen in kleinen Praxen machen es für Einzelpraxen schwierig, die eigene Arbeitsstruktur zu überdenken und umzustellen.
Der enge und strukturierte Austausch im Projekt ermöglicht es, diese Voraussetzungen zu schaffen. Damit können strukturelle Veränderungen auch für kleine Praxen ermöglicht werden. Dies verbessert zum einen die Attraktivität der Tätigkeit auch in Praxen im strukturschwachen Raum, es verbessert aber auch die individuelle Patientenversorgung durch Einführung besonders effektiver, individuelle auf die jeweilige Praxis zugeschnittene Betreuungskonzepte.